Home > Projects > Meeresschutzzone für die Banda-Inseln, Indonesien

Die Banda-Inseln, ein Archipel aus insgesamt 10 Inseln, liegen in den Molukken im Osten Indonesiens. Die 22000 Menschen, die die Inseln bevölkern, verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Fischfang und dem Export von Muskatnuss, Zimt und Mandeln. Die 5000 m tiefe Bandasee, die die Inseln umgibt, beheimatet 64 % der weltweit bekannten Korallenarten, eine Vielzahl von Rifffischen (wie beispielsweise der seltene Mandarin-Fisch), aber auch große pelagische Arten wie Thunfische, Makrelen, Haie und Rochen.

Die beiden zentralen und am stärksten besiedelten Inseln, Banda Neira und Banda Besar, befinden sich innerhalb des Meeresschutzgebietes Taman Laut Banda, welches seit 1977 existiert, 2500 ha umfasst und hauptsächlich dem Küstenschutz und der Erholung dient.

Etwas ganz besonderes in Banda ist die Motivation der Einwohner, die Schönheit der Natur ihrer Inseln zu bewahren. In Bezug auf Nachhaltigkeit stehen die Bandanesen dabei leider vor in Indonesien weit verbreiteten Problemen, wie zum Beispiel die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und ein ständig wachsender Berg von Zivilisationsmüll. Bis 2010 steckte der verstorbene Des Alwi, auch König von Banda genannt, seine ganze Energie in den Schutz der Inseln. Seit Des Alwis Tod versucht nun seine Familie dieses Erbe, also die Natur und die bewegende Geschichte der Inseln zu bewahren, weiterzuführen. Dabei sind sie jedoch auf Unterstützung angewiesen.

Fasziniert von der Natur der Inseln, der Unterwasserwelt und von der Gastfreundschaft der Bewohner, unterstützt MC-SEA indonesische Umweltorganisationen darin, das bestehende Meeresschutzgebiet in ein lokal organisiertes Schutzzonennetzwerk auszuweiten. Der bereits bestehende nationale Meerespark umfasst 2500 ha und erstreckt sich zwischen den Inselns Banda Besar, Banda Naira, Gunung Api und Pulau Pisang. Für dieses Gebiet wird ein multi-funktionelle Zonierungssystem entwickelt, so dass sowohl der gute Gesundheitszustand der Korallenriffe, als auch die Lebensgrundlage der lokalen Fischerei erhalten werden kann. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass alle Interessensvertreter (in erster Linie Fischerei- und Tourismusvertreter) gleichermaßen von einem Teil der Zonen profitieren, während sie für einen anderen Teil der Zonen Kompromisse eingehen müssen. Im Einklang mit den indonesischen Richtlinien für Meeresparks (KKP 2010) werden 2% der Gesamtfläche als „Core zone“, also als strenge Schutzzone erklärt, in der weder gefischt, noch jeglichen Erholungsaktivitäten nachgekommen werden darf. Dieser Meerespark wird in ein Schutzzonennetzwerk eingebettet, welches außerdem die lokal gemanagten Schutzzonen der Inseln Rhun, Ai und Hatta umfasst. Mit Unterstützung von LMMA Indonesien und des Coral Triangle Centers (CTC), haben die Dörfer der drei Inseln jeweils eigene Schutz- und Managementkonzepte entwickelt, die die Lebensgrundlage der Inseln erhalten und sie vor der Ausbeutung durch fremde oder industrielle Fischereien schützen. Innerhalb der Grenzen des Schutzzonennetzwerkes wird das Anlanden von gefährdeten Arten wie Meeressäugern, Schildkröten, Haien und Rochen verboten.

MC-SEAs Gesamtziel für Banda ist es, eine gesunde und saubere Umwelt auf den Inseln zu schaffen, nachhaltige Fischerei und Meeresökologie zu lehren und damit Überfischung und zerstörerische Fangtechniken abzuwenden.

Seitdem im November 2011 der Startschuss für MC-SEA auf den Banda-Inseln fiel, konnten wir bereits Einiges zum Schutz von Bandas Umwelt beitragen. Informationen hierzu finden Sie unter Vergangene events.

Warum gerade Banda?

Als Spender in Europa mögen Sie sich fragen, warum Sie ausgerechnet ein so weit entfernt gelegenes Meeresgebiet unterstützen sollten. Natürlich gibt es auch vor unserer Haustür, zum Beispiel in Nord- und Ostsee, noch viel für den Naturschutz zu tun. Wir setzen uns als Marine Conservation South East Asia jedoch nicht ohne gute Gründe für den Meeresschutz in Indonesien ein: Indonesien ist Teil des Korallendreiecks, das Meeresgebiet welches sich von den Philippinen bis nach Papua Neuguinea erstreckt und die weltweit größte Diversität an Korallen und Riffbewohnern aufweist. Laut des Gemeinschaftsprojekts internationaler Forschungsinstitute Census of Marine Life, in dessen Rahmen 10 Jahre lang Daten über unsere Ozeane gesammelt wurden,gehören die Riffe Indonesiens zu den prioritären Gebieten was Meeresschutz und Erhalt von Biodiversität betrifft.

Innerhalb Indonesiens haben die Banda-Inseln ökologisch wiederum einen besonderen Status. Da die Vulkaninseln in mitten der 5000 m tiefen Bandasee liegen, treffen dort pelagische Räuber wie Hammerhaie und Thunfische auf artenreiche Korallenriffe. Die besondere Qualität der Riffe wurde in einer Studie der Nature Conservancy von 2002 ermittelt, bei der ein Vergleich der Riffe mit anderen sogenannten Korallen-Hotspots gezogen wurde. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass die Diversität bezogen auf die vergleichsweise sehr kleine Fläche der Riffbereiche Bandas außergewöhnlich hoch ist und dass in allen untersuchten Riffen Bandas eine außerordentliche Konstanz der guten Riffqualität herrscht. Durch die Tiefe der Bandasee sind Bandas Korallenriffe im Vergleich zu den Riffen Thailands oder Westindonesiens außerdem weniger stark durch den Klimawandel bedroht. In der Andamanensee im Westen Thailands, zum Beispiel, sind seit 2010 in Folge von El Niño große Bereiche der flachen Korallenriffe abgestorben, da dort über mehrere Wochen hinweg Wassertemperaturen von über 33°C herrschten. Da in Banda ständig frisches Tiefenwasser in flachere Bereiche nachströmt ist diese Gefahr für die Riffe nicht gegeben. Damit ist die einzige – allerdings nicht außer Acht zu lassende – Bedrohung in Banda der direkte menschliche Einfluss. Hierzu gehören der Eintrag von Nährstoffen über Abwässer, der Eintrag von Zivilisationsmüll und Giftstoffen und die zunehmende Befischung. Gerade diese Faktoren können wir mit MC-SEA und der Mithilfe der bandanesischen Bevölkerung zum Positiven wenden. Wenn wir es schaffen, Nährstoff- und Abfalleintrag zu minimieren und ein nachhaltiges Fischereikonzept zu etablieren, können die Banda-Inseln langfristig Biodiversität-Hotspot und meeresbiologisches Juwel bleiben und eventuell sogar zum sozioökonomischen Erfolgsmodell für Meeresschutz in Indonesien werden. Dies ist auf Banda besonders vielversprechend, da bereits jetzt auf den Inseln großes Interesse für den Naturschutz zu erkennen ist und wir als fremde Umweltorganisation sowohl mit der einheimischen Bevölkerung als auch mit zwei ortsansässigen Organisationen an einem Strang ziehen können.

Nun mögen Sie sich vielleicht immer noch fragen, welche Verbindung zwischen uns Westeuropäern und den Banda-Inseln besteht. Durch die zunehmende Globalisierung stehen die Meere mehr denn je in einem ständigen Austausch von Organismen. Was vor der Industrialisierung nur migrierende Lebewesen wie Vögel, Wale, Schildkröten, Haie und einige Fische schafften, wird durch den starken Schiffsverkehr inzwischen auch marinen Kleinstlebewesen und sogar Larven von sesshaften Tieren ermöglicht. So kann es sein, dass mit dem Frachter, der unseren neuen Flachbildschirm von Hongkong nach Hamburg transportiert, tausende von blinden Passagieren in ein neues Meeresgebiet gelangen wo sie bisher weitgehend unvorhersehbare Folgen mit sich bringen. Außerdem sind die Ozeane der größte Klimapuffer der Welt. Durch winzige Photosynthese betreibende Organismen der Meere werden 72% des weltweiten Sauerstoffes produziert. Die Zusammensetzung der Luft die wir atmen ist also direkt vom ökologischen Gleichgewicht das in den Meeren herrscht abhängig. Deswegen dürfen wir unsere Verantwortung für den Schutz ökologisch relevanter Meeresregionen nicht mehr leugnen, egal ob diese vor der norddeutschen Küste oder in abgelegenen indonesischen Regionen liegen. Da unser Verlangen nach dem Verzehr von Fisch vor unserer Haustür bereits zum Kollaps vieler Fischpopulationen, wie zum Beispiel Kabeljau oder Hering, geführt hat, sollten wir aus diesen Fehlern lernen und nachhaltige Fischerei propagieren anstatt die Regionen, in denen Fisch noch in relativ großer Zahl vorkommt, auch restlos auszubeuten. Die Banda-Inseln sind durch den Thunfischexport ein gutes Beispiel dafür, welche Auswirkungen westliche Essgewohnheiten auf die lokale Fischerei und das Überleben der ansässigen Bevölkerung haben können: ohne die wachsende Nachfrage an Thunfisch und den daraus resultierenden Druck auf die Populationen könnten die Thunfischbestände nach wie vor den Lebensunterhalt der bandanesischen Fischer sichern.

Wenn Sie Banda unterstützen wollen, können Sie entweder Fördermitglied von MC-SEA werden (gehe zu „mc-sea unterstützen“), den Pay Pal Link oben rechts auf dieser Seite anklicken, oder Ihre Spende unter dem Verwendungszweck „Banda“ direkt auf das folgende Konto überweisen:

Name des Kontoinhabers:                   Marine Conservation South East Asia e.V.
Konto-Nr:                                                732 003 901
BLZ:                                                          860 100 90
Bank:                                                        Postbank, Germany