Home > Projects > Bildung in nachhaltiger Fischerei

Die Meere sind weltweit überfischt. Für einen großen Teil der Überfischung sind die großen Fischereiflotten der Industrienationen mit ihren zerstörerischen Fangmethoden verantwortlich. So sind die Bestände räuberischer Fische, die an der Spitze der Nahrungskette stehen (z.B. Thunfisch und Schwertfisch) bereits um 90 % zurückgegangen (Myers & Worm 2003). Bei den meisten, für die Fischerei bedeutsamen, Arten werden die von Wissenschaftlern empfohlenen Fangquoten erstens von der Europäischen Kommission für Fischerei (EC) nicht als Richtlinie akzeptiert und zweitens übersteigen die tatsächlich angelandeten Erträge die sowieso zu hohen Quoten der EC. Dies führte u.a. zu der starken Überfischung von Anchovis, Hering und Kabeljau (Villasante et al. 2010).

Der indonesische Pazifik galt bislang noch als ein sehr fischreiches Gewässer. Jedoch sind auch hier die Erträge der Fischerei im letzten Jahrzehnt stark zurückgegangen. Dies liegt zum Einen daran, dass große Fischerboote aus dem bevölkerungsreichen Westen Indonesiens oder aus China und Japan immer weiter in die östlichen Teile Indonesiens vordringen. Zum Anderen praktizieren sogar kleine Fischerdörfer Fangmethoden, die die Fischbestände ausbeuten anstatt sie nachhaltig zu nutzen. Dynamit- und Zyanidfischen sind leider immer noch weit verbreitete Methoden, die nicht nur für die Dezimierung der für den Verzehr geeigneten Fischbestände sorgen, sondern ganze Riffe langfristig vernichten. Ein einziger Einsatz einer selbstgebauten Bombe – meist mit Sprengstoff gefüllte Glasflaschen – tötet im Umkreis von 50 m alle lebenden Korallen, Wirbellosen und Fische ab. Bis sich das Riff wieder erholt, können 10 Jahre vergehen und bis es zurück im ursprünglichen Zustand ist vergeht noch deutlich mehr Zeit. Da, wo Bombenfischerei inzwischen verboten ist, werden häufig noch viel zu kleinmaschige Netze verwendet. Mit den Netzen wird im flachen Wasser der gesamte Fischbestand abgefischt. Die Folge ist, dass Jungfische keine Chance bekommen aufzuwachsen und fortpflanzungsfähiges Alter zu erreichen.

Die artenreichen Gebiete Südostasiens verfügten bislang über eine gute Selbsterholungskapazität. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte und oben genannten Fangmethoden ist die Erholungsfähigkeit vieler Habitate bereits verloren gegangen. Damit die Fischer weiterhin vom Fischfang leben können, organisiert MC-SEA Bildungsmaßnahmen in alternativen Fangmethoden. So werden z.B. Fischer darin ausgebildet, Fischplattformen selbst zu bauen und zu unterhalten. In vielen Teilen Indonesiens und Thailands ist dies eine gut funktionierende und von den Fischern anerkannte Lösung. Außerdem beginnt MC-SEA mit der Bildung in nachhaltiger Fischerei bereits bei den Kindern. Es ist geplant, dass ehrenamtliche Mitarbeiter von MC-SEA in Dorfschulen verschiedener Fischerdörfer regelmäßig Unterrichtsstunden in Meeresbiologie und Fischerei anbieten. Dabei sollen die Kinder ein Bewusstsein für die Unterwasserwelt vor ihrer Haustür entwickeln und Eigenmotivation dafür entwickeln, ihre Lebensgrundlage zu schätzen und zu schützen. In Kooperation mit Tauchschulen werden dann auch Schnorchelkurse für die Kinder angeboten, die das im Klassenzimmer Erlebte zur Realität werden lassen und Praxiserfahrung ermöglichen. Nur wenn die Kinder selbst eine Faszination für die Natur entwickeln können sie später als Multiplikatoren fungieren und ihr Wissen an andere Dörfer und folgende Generationen weitergeben.

References:
Ransom a Myers, Boris Worm, 2003, Rapid worldwide depletion of predatory fish communities. Nature 423 (6937) p. 280-283
Sebastián Villasante, María Do Carme García-Negro, Fernando González-Laxe, Gonzalo Rodríguez, 2011, Overfishing and the Common Fisheries Policy: (un)successful results from TAC regulation? Fish and Fisheries 12 p. 34-50