Home > Projects > Schutz von Haien und Rochen
haie

Knorpelfische – Haie, Rochen und Chimären – gehören zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten Bewohnern des Meeres. Seit mehr als 400 Millionen Jahren bevölkern die Vorfahren der heute bekannten Knorpelfische die Ozeane. Dabei erfüllen sie wichtige Funktionen in ihren Ökosystemen. Die meisten Haiarten sind Topprädatoren und kontrollieren die Bestände kleinerer Fische und weiterer zum Beutespektrum gehörender Meerestiere, wie einige Weich- und Krebstiere. Da Haie insbesondere solche Individuen jagen, die krank oder schwach sind, sorgen sie für die Gesundheit des Ökosystems. Außerdem verhindern sie, dass sich bestimmte Fischarten zu stark vermehren und halten damit den Gleichgewichtszustand ihres Habitats aufrecht. Durch diese so genannte Top-Down-Kontrolle wird z.B. verhindert, dass unerwünschte Algenblüten Korallenriffe überwuchern und damit die Symbionten der Korallen daran hindern würden, Photosynthese zu betreiben. Besonders gut erhaltene und artenreiche tropische Korallenriffe zeugen meist von einem noch ausreichenden Haivorkommen.

Leider sind weltweit die Haibestände in den letzten Jahrzenten stark zurückgegangen. Heute geht man davon aus, dass noch 10% der ursprünglichen Haivorkommen existieren. Ein großer Teil der Haie fällt der illegalen Haiflossenindustrie zum Opfer. In China und Taiwan ist es immer noch ein Statussymbol, Haiflossensuppe zu servieren und mit dem illegalen Flossenhandel wechseln Milliarden von US$ jährlich den Besitzer. Dabei geht man davon aus, dass Hongkong für den Import von 50-85% der weltweit gefangenen Haiflossen verantwortlich ist. Außerdem fallen pelagische Hai- und Rochenarten der Kiemennetz-, Ringwaden- und Langleinenfischerei als Beifang zum Opfer. In der roten Liste der IUCN wurden z.B. 2007 schon 32% aller pelagischen Haie und Rochen als vom Aussterben bedroht eingestuft (IUCN, 2007). Dazu gehören u.a. Hammerhaie, Walhaie, Weiße Haie und die schnellsten Schwimmer unter den Haien, die Makohaie. Ein großer Teil der nach Hongkong und Taiwan exportierten Flossen stammt aus südostasiatischen Ländern. Mit mehr als 120 000 t gefangener Haie pro Jahr (IUCN, 2007) ist Indonesien weltweit das Land mit der höchsten Anlandung von Haien.

Da viele Haiarten migrieren und sich einen großen Teil ihres Lebens in internationalen Gewässern aufhalten, ist eine weltweite Reglementierung zum Fang und Finning von Haien schwierig. Es gibt verschiedene Abkommen – z.B. CITES, CMS, UNCLOS, IPOA-sharks, UNFSA –, die eine rechtliche Grundlage zum Schutz von Haien bieten. Diese müssen von den haifischenden Nationen allerdings erst zur Richtlinie gemacht werden. Innerhalb der 200 nm- Zone können die Länder selbst über Verbote und Quoten entscheiden. Bisher wurde nur von Israel und Palau ein absolutes Fangverbot ausgerufen. Finning ist inzwischen in mehreren Nationen verboten. Dazu gehören Namibia, Nicaragua, Panama, Südafrika, Seychellen, Spanien, USA und einige Regionen Australiens.

Haifang auf nationaler und internationaler Ebene zu kontrollieren ist daher sowohl rechtlich als auch praktisch eine Herausforderung. Jedoch gibt es auf regionaler Ebene realistische und finanzierbare Möglichkeiten, etwas für den Haischutz zu tun. Ein gutes Beispiel sind Haischutzzonen, die die Paarungs- und Aufwuchsgründe umfassen. Diese liegen oft in küstennahen Gebieten, sind daher gut erreichbar und auch mit kleinen Booten zu patrouillieren. Außerdem ist diese Methode auch in großen Haifangnationen wie Indonesien anwendbar. Bei der lokalen Bevölkerung ist oft Interesse vorhanden, die eigenen Gewässer zu schützen. Mit der nötigen Aufklärungsarbeit und finanzieller Unterstützung lassen sich so Haischutzzonen erschaffen. Ein positives Beispiel ist die Erklärung ganz Raja Ampats, West Papua, zur Haischuttzone im Jahr 2010. Dies wurde durch die Initiative von Shark Savers (www.sharksavers.org) und dem Misool Eco Resort (www.misoolecoresort.com) und der Unterstützung von über 8000 Haifreunden mittels Unterschrift ermöglicht.

Eines der vordergründigen Ziele von MC-SEA ist es, dazu beizutragen, dass die vorhandene Schutzzone Bandas zu einem Schutzzonennetzwerk ausgeweitet wird, in dessen gesamten Bereich das Fangen von Haien verboten und kontrolliert wird. Die in Banda am häufigsten vorkommende pelagische Hai-Art ist der Bogenstirnhammerhai (Sphyrna lewini), der zu den 5 Haiarten gehört, die 2013 indonesienweit unter Schutz gestellt wurden. In Banda ist die Überwachung des Fangs großer Haie gut überschaubar. Damit gehört Banda zu einem der ersten Orte Indonesiens an denen die Umsetzung der neuen Reglementierung des Haifangs realisiert werden kann. Damit leistet MC-SEA einen kleinen aber direkten Beitrag zum Fortbestehen dieser faszinierenden Hai-Art.